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Autor: Carsten Gellert (Senior Consultant #FORTSCHRITT)
- 18.10.2023 -

…oder auch wie man die Grundlagen vom Geschichtenerzählen im wirtschaftlichen Umfeld anwenden kann. Von der Gute-Nacht-Geschichte bis zum Leinwand-Epos, von der Religion bis zur Fantasy, und vom Zeitungsartikel bis zum Podcast, eines verbindet und fasziniert alle: fesselnde Erzählungen und Geschichten.

Sie lassen uns der Realität entfliehen, regen zum Träumen an und vermitteln Moral und Werte. Doch was hat das mit Wirtschaft zu tun? Ob erfolgreiche Projekte oder erfolgreiche Karrieren - auch in der Wirtschaft lieben wir Erfolgsgeschichten, das sogenannte Storytelling.

Der Monomythos und die Heldenreise

Nicht jede Geschichte ist gleich, aber in ihren elementaren Grundlagen ähneln sie sich stark. Viele der bekanntesten und beliebtesten Bücher, Filme und Serien folgen der gleichen Formel – der sogenannten Heldenreise. Einer der ersten Forscher, die sich mit dieser Thematik auseinandergesetzt hat und den Begriff „Heldenreise“ maßgeblich geprägt hat, war Joseph Campbell.

Campbell betrachtete nahezu hunderte von Texten, Geschichten, Erzählungen und Religionen weltweit, vom Alten Testament, zu den Geschichten der Brüder Grimm, über Belletristik und mehr. Dabei stellte er fest, dass Storytelling einem grundlegenden, und wiederkehrenden Muster folgte. Er definierte dieses in seinem Werk „The Hero with a Thousand Faces“ als “Monomythos”. Auf Grundlage dieses Modells formulierte er die Heldengeschichte. Ein bekanntes Beispiel dafür, wie sich Geschichten zeitgleich mit ähnlichem Inhalt, allerdings ortsfremd voneinander gleich entwickeln konnten, ist die Geschichte von „Robin Hood“ in England, und dem japanischen Pendant „Goemon“. Es würde an dieser Stelle zu weit führen, auf die 17 Phasen Campbells näher einzugehen. Allgemein lässt sich der bekannte Dreiakter, der bereits in der Schule gelehrt wurde, wie folgt unterteilen.

Abb. 1: Die Heldenreise in drei Akten

Darüber hinaus definiert Campbell diverse Archetypen, wie den Mentor, Schwellenwächter, Herold uvm. Diese Figuren sind dafür bekannt, dass sie den Helden unterstützen oder ihm Hindernisse in den Weg legen.

Das stereotype Rahmenwerk kann dazu dienen, spannende Geschichten zu erschaffen. Ein bewusster Bruch dieser Regeln kann zu noch interessanteren Geschichten führen, oder den Leser verwirren. Sollte der Held am Ende nicht gewinnen, ist vermutlich jeder Leser etwas überrascht. Dessen ungeachtet findet diese Methode bis zur heutigen Zeit stetige Anwendung. So zählt u.a. George Lucas als einer der größten Anhänger Campbells, der seine „Star Wars“ Trilogie stark an dessen Heldengeschichte anlehnte.
Es bleibt anzumerken, dass Campbell dieses Rahmenwerk nicht selbst erschuf, sondern dieses bereits existierte und er das Muster nur aus den vorhandenen Erzählungen zusammenfasste.

Kritische Betrachtung der Heldenreise

Neben den vielen Vorteilen/Gewinnen/Wertschöpfungen ist dieses Rahmenwerk auch kritisch zu beleuchten. Einigen ist es zu vage, und für manche Zwecke ist es zu starr. Ein Horrorfilm wird diesen Mustern nicht immer folgen und auch im wahren Leben geht für den Protagonisten nicht immer alles positiv aus. Campbells Annahme ist als optimistische Vorlage, und nicht als erzwungene Vorgabe zu betrachten. Im Laufe der Zeit haben sich aus Campbells Werk Ableitungen für Film und Fernsehen sowie weitere Ausprägungen, wie das „Save the Cat!“ Beat Sheet von Blake Snyder für Filme ergeben.

Die Heldenreise in der Wirtschaft

Doch was haben nun die Muster der Geschichten um Luke Skywalker, Robin Hood u.ä. mit der Beratung und wirtschaftlichem Erfolg zu tun?

Die einfachste Antwort ist Media Branding oder auch Werbung genannt. Dabei werden Erfolgsgeschichten auf Social-Media-Kanälen erzählt und kurze Werbespots über Produkte oder Dienstleistungen gezeigt. Ziel ist es, eine mitreißende und fesselnde Geschichte für den Kunden darzustellen und ihn letztendlich für das beworbene Produkt bzw. die Firma zu begeistern.

Hierbei ist es wichtig, die Perspektive zu berücksichtigen. In Geschichten, die in sozialen Medien erzählt werden, sind Unternehmen oft die Protagonisten, die über ihre Erfolge berichten, während der Dienstleister/Produkthersteller die Rolle des Mentors einnimmt und dem Protagonisten, dem potenziellen Käufer, hilft. Der Hersteller ist daher Gandalf oder Obi-Wan und nicht Frodo oder Luke.

Damit ist die Fernsehwerbung der Social Media Werbung einen Schritt voraus, und beschreibt zugleich das Problem, welches in vielen beratenden Firmen vorherrscht:

Der erste Gedanke, den man mit dem Wort „Held“ verbindet, ist oft die Vorstellung, selbst der Held zu sein. Ihr Unternehmen/ der Berater ist der Held, der mit dem brennenden Schwert angeritten kommt, um die arme Magd oder den Stallburschen -in diesem Fall den Kunden - vor dem feuerspeienden Drachen zu retten.
Dieser Ansatz ist jedoch völlig falsch; zumindest dann, wenn man einen nachhaltigen Eindruck beim Kunden hinterlassen will.

Der Kunde ist der „Held“ seiner Geschichte.

Er hat ein Problem, das ihn aus einer bekannten „alten Welt“ zu einer Veränderung ruft („Call to Adventure“). Er braucht Hilfe bei den Prüfungen und Herausforderungen, bei Veränderungen, die mit diesem Abenteuer verbunden sind, und muss zum Schluss herausfinden, wie er die nun für sich neuen Ideen aus der „neuen Welt“ mit seinem alten bekannten Mustern vereinbart.

Ein einfaches Beispiel hierzu kennen viele: Der unbedingte Wandel zum mobilen Arbeiten. Für nähere Informationen zu diesem Thema empfehle ich den Blogbeitrag meines Kollegen Christoph Neumann. Viele Arbeitgeber waren es gewohnt, ihre Mitarbeiter im Büro zu sehen. Dann kam der „Call to Adventure“, in diesem Fall von Corona. Es galt, in die neue Welt des Homeoffice einzutauchen. Meetings, Projektmanagement, Firmenfeiern, alles sollte von heute auf morgen nur noch digital stattfinden. Die „neue Welt“ kam unvorhergesehen und die Arbeitgeber standen vor neue Herausforderung. Viele konnten dies durch Mentoren, d.h. Berater oder Dienstleister, die organisatorische Strukturen und technische Grundlagen zur Verfügung gestellt haben, angehen und sind meist zunehmend zu dem Schluss gekommen, dass Homeoffice ebenfalls funktioniert. Das Wissen des Mentors wurde geteilt, sodass der Held nicht abhängig von ihm ist.

In der Wirtschaft ist es also wichtig zu erkennen, wann wir die Rolle des Mentors übernehmen müssen.

#FORTSCHRITT-Fazit

Ziel des Mentors in der Heldengeschichte ist es, den Helden bei seiner Reise zu unterstützen und ihn mit den Werkzeugen auszustatten, die er braucht, um sein Abenteuer zu bestehen. Bei #FORTSCHRITT stehen wir als Berater gerne zukünftigen Helden zur Seite. Wir schaffen eine starke Kundenbindung, indem wir nicht nur mit unserem Fachwissen kommen und es nach getaner Arbeit wieder mitnehmen, sondern indem wir es teilen und gemeinsam mit dem Kundenunternehmen eine Erfolgsgeschichte schreiben.

Denn nur, wenn wir unsere Arbeit erfolgreich und zufriedenstellend durchgeführt haben, werden die Kunden ihre Erfolgsgeschichte weitererzählen. Eine Geschichte, in der sie selbst die Helden waren und wir ihnen geholfen haben, ihre Heldenreise erfolgreich zu meistern.

 

Wenn Sie diesen Beitrag zitieren möchten, nutzen Sie gerne folgende Quellenangabe:

Gellert, C. (2023, 18. Oktober). Der Berater als Mentor. Storytelling im Consulting… . FORTSCHRITT GmbH. https://fortschritt.co/blog-de/311-der-berater-als-mentor-storytelling-im-consulting

  • Literaturverzeichnis
    • Campbell, J. (2008). The Hero With a Thousand Faces. 5. Aufl., Yogi Impressions, Mumbai.
    • Herbst, D., & Musiloik, T. (2022): Digital Storytelling. Spannende Geschichten für interne
    • Kommunikation, Werbung und PR. 2. Aufl., Herbert von Halem Verlag, Köln
    • Lankow, J., Crooks, R., & Ritchie, J. (2012): Infographics: The Power of Visual Storytelling. John Wiley & Sons, Hoboken (NJ). (Datenbank: ProQuest).
    • Pyle, H. (1883). The Merry Adventures of Robin Hood of Great Renown in Nottinghamshire (1 ed.). New York NY: Charles Scribner's Sons. Archived fromthe original on 28 September 2006. Retrieved 6 February 2022.
    • The legend of Ishikawa Goemon Archived 2009-03-14 at the Wayback Machine (including several pictures)
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Autor

Carsten Gellert

Senior Consultant #FORTSCHRITT

Carsten Gellert ist Senior Consultant bei der Think-Tank-Beratungsgesellschaft #FORTSCHRITT.

Als studierter Informatiker besitzt er mehrere Jahre Erfahrung in der Entwicklung und Umsetzung von Softwareanwendungen im Telematik-Umfeld sowie der Administration kleiner IT-Systeme.

Nach dem Studium arbeitete er im IT-Projektmanagement im Medien- und Agenturumfeld sowie in Beratungsunternehmen. Neben dem Projektmanagement verfügt er als zertifizierter IT-Grundschutz-Experte auch über mehrjährige Erfahrung in der Untersuchung von IT-Sicherheit bei staatliche Ämter und Ministerien.

Für #FORTSCHRITT ist er in den Bereichen IT-Sicherheit und IT-Projektmanagement tätig.

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