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Autorin: Patricia Weerth (Externe Finanzexpertin für #FORTSCHRITT)
- 15.07.2020 -

Bei #FORTSCHRITT nehmen wir das Thema Think-Tank ernst. Damit geht einher, dass sich in allen Bereichen weitergebildet wird und auch neue Themen aufgegriffen werden. Ein Trend von heute, welcher in Zukunft noch mehr an Relevanz gewinnen wird, ist das Thema nachhaltige Geldanlagen. Wir alle wollen nicht, dass unser Erspartes auf dem Girokonto an Wert verliert. Gleichzeitig ist das Thema Weltrettung - oder etwas kleiner gedacht Weltverbesserung mittlerweile ein wichtiger Aspekt unserer Gesellschaft.

Die Aspekte Umwelt oder soziales Bewusstsein und Zinsen erwirtschaften miteinander zu vereinen, fällt schwer. Diesem Thema widmeten sich unlängst einige Diskussionsrunden und Vortragsreihe, die wir nun zum Anlass nehmen, diesen Bereich nachhaltige Geldanlagen einmal etwas näher auf den Grund zu gehen.

Nachhaltige Geldanlage

Schon auf der weltgrößten Tech-Konferenz, der Websummit, (Newsbeitrag) stellte Nachhaltigkeit ein großes Thema dar. Unseren Alltag bestimmt Nachhaltigkeit immer mehr. Zudem veröffentlicht das Forum nachhaltiger Geldanlagen (FNG) am Donnerstag, den 28.11.2019 die Träger des FNG-Siegels im Jahre 2020. So ist es nur logisch, dass sich #FORTSCHRITT dem Thema und dessen Hintergründe intensiver annimmt.

Zunächst einmal eine Definition: Was versteht man überhaupt unter einer nachhaltigen Geldanlage? „Nachhaltige Geldanlagen ergänzen die klassischen Kriterien der Rentabilität, Liquidität und Sicherheit um ökologische, soziale und ethische Bewertungspunkte.“[1] Vielfach werden diese zusätzlichen Kriterien mit ESG abgekürzt:

  • Environmental (ökologische Nachhaltigkeit)
  • Social (soziale Nachhaltigkeit)
  • Governance (ökonomische Nachhaltigkeit)

Bei nachhaltigen Geldanlagen kann ein Investor - egal ob privat oder institutionell - dabei entweder nach dem Ausschlussprinzip vorgehen oder die Erfüllung von ESG-Kriterien in eine Rangfolge bringen. Beim Ausschlussprinzip entscheidet man sich gegen jedes Investment, welches in Bereiche fließt, die nicht zu den persönlichen Kriterien passen. Beispielsweise Waffenhandel, Ausbeutung oder Gentechnik. Oder man informiert sich, welche Unternehmen die eigenen ESG-Kriterien erfüllen und investiert in solche, die ganz oben auf der Rangliste stehen. Dabei kann man entweder eigene Analysen der Unternehmen anstellen, die für ein Investment in Frage kommen oder auf Ratings anderer Institute zurückgreifen. Dazu später mehr.

Neben Aktien und Investmentfonds existieren viele weitere Möglichkeiten der nachhaltigen Geldanlage, welche in der folgenden Graphik zusammengefasst werden.

Weerth Anlagemöglichkeiten

Abb. 1: Möglichkeiten der nachhaltigen Geldanlage (Quelle: FNG, 2019)

Nachhaltigkeit und Rendite - ein Mythos?

Volker Weber, Vorstandsvorsitzender des FNG, macht deutlich, dass bei nachhaltigen Geldanlagen neben den ESG-Kriterien noch ein weiterer entscheidender Unterschied zur klassischen Geldanlage existiert: Die Rendite. Während es bei der klassischen Geldanlage einzig um die monetäre Rendite geht, rücken bei der nachhaltigen Geldanlage auch die Umwelt- und die soziale Rendite in den Fokus. Jeder Anleger kann selbst wählen, auf welche Rendite er besonders Wert legt und so das passende Investment aussuchen. So kann der Investor sich beispielsweise zugunsten einer Anlage entscheiden, welche weniger Zinsen abwirft, dafür aber in ein Unternehmen investiert, welches die Umwelt schont oder soziale Misswirtschaft beendet.

Mit einem Mythos räumt Herr Weber jedoch direkt auf: Nachhaltige Geldanlagen sind KEIN Verlustgeschäft! Im Gegenteil - seit 2001 liegt der Naturaktienindex in seiner Wertentwicklung konstant über dem DAX (siehe Graphik). Als weiterer Trend lässt sich beobachten, dass Unternehmen, welche das Thema Nachhaltigkeit vernachlässigen, tendenziell eine negative Entwicklung ihrer Wertpapiere aufzeigen.

Es sollte also für alle Unternehmen wichtig sein, sich dem Thema Nachhaltigkeit zuzuwenden. Bei dem immer stärker werdenden Interesse der Konsumenten sowie der Investoren kann ein Ignorieren dieses Bereichs zu langfristigen Einbußen und im schlimmsten Fall sogar zum Einstellen der Geschäftstätigkeit führen.

Auch die Europäische Union hat das Interesse erkannt und einen Aktionsplan für nachhaltige Anlagen entwickelt. Dieser sieht eine Definition/Taxonomie, Offenlegungspflichten, Benchmarks und die Integration von Nachhaltigkeit in den Beratungsprozess vor. Laut Herrn Weber von FNG stellen Berater eine der wichtigsten Stellschrauben im beratungsintensiven Gebiet der Investments dar. FNG bietet deshalb Beraterschulungen an, sodass diese der EU-Regelung MIFID II einen Schritt voraus sind und bewusste Anleger richtig beraten können.

Wie wird Nachhaltigkeit messbar?

Das ESG-Geschäft ist der am stärksten wachsende Geschäftszweig, was einen weiteren Indikator für die Brisanz dieses Themas in der Zukunft darstellt. Das Rating unter Berücksichtigung der ESG-Kriterien ist dabei ein komplexer Prozess. Neben den normalen Risikofaktoren einer Geldanlagebewertung fließen zusätzliche Aspekte in die Bewertung mit ein. Als anschauliches Beispiel dient das Thema Wasser: Sitzt die Produktion einer Firma in einem Gebiet mit Wasserknappheit, stellt dies ein Risiko dar und muss berücksichtigt werden. Hat die Firma unbegrenzt Zugang zu Wasser, ist dieser Bewertungspunkt eher zu vernachlässigen. Bei der Bewertung des Anlageobjekts kann zwischen der Bewertung nach dem Ausschlussprinzip und der Bewertung nach den ESG-Kriterien unterschieden wird. Beide Bewertungsansätze können für die letztendliche Entscheidung zu Rate gezogen werden, sollten jedoch nicht vermischt werden.

Wie wichtig diese Differenzierung ist, wird an folgendem Beispiel deutlich: Ein biologisches Forschungsinstitut arbeitet daran, Bakterien dazu zu bringen, CO2 für ihren Stoffwechsel zu verwenden. Dadurch wird CO2 reduziert, was einen positiven Effekt auf die Umwelt hat. Jedoch ist dies nur unter Verwendung von Gentechnik möglich. Handelt es sich bei Gentechnik um ein selbst definiertes Ausschlusskriterium des Anlegers, fällt das Projekt als Investment aus. Nach dem ESG-Prinzip könnte es sich jedoch als lohnende Geldanlage herausstellen. An diesem Beispiel wird deutlich, wie zutiefst subjektiv das Thema nachhaltige Geldanlage ist. Wichtig ist jedoch: Damit beschäftigen sollte sich jeder!

Verständlicherweise hat nicht jeder Anleger Zeit und Geduld, sich mit der Analyse potenzieller Investments bis ins kleinste Detail zu beschäftigen. So ist es nicht verwunderlich, dass in Deutschland die institutionellen Investoren 93% der Anleger in nachhaltige Geldanlagen ausmachen.[2]

Private Anleger, welche sich für Geldanlagen interessieren, die ESG-Kriterien erfüllen, können sich an verschiedene Stellen wenden, um auf deren Analysen und Ratings zurückzugreifen. Seiten wie beispielsweise edoreporter.de, nachhaltiger-warenkorb.de oder die Seite des FNG (forum-ng.org) veröffentlichen Tipps, Richtlinien und Ratings zu nachhaltigen Geldanlagen. Der FNG vergibt zudem ein Siegel für nachhaltige Geldanlagen, welches bei Erfüllung transparenter Kriterien verliehen wird und erstellt Nachhaltigkeitsprofile für Publikumsfonds.

Da Berater als Multiplikatoren für private Anleger dienen, hat die UNESCO ein Projekt unter dem Namen ECOanlageberater ins Leben gerufen. Hier werden die Finanzberater darin geschult, nachhaltige Geldanlagen zu definieren und zu vermitteln.

Die Not-Bad-Bank

Wie im ersten Teil erwähnt, beginnt nachhaltiges Geldanlegen schon einen Schritt früher: Mit dem Gang zur Bank bzw. mit der Auswahl der Bank. Die meisten modernen Banken haben sich von dem klassischen Bankmodell verabschiedet. Dieses sieht vor, dass Einleger ihr Sparguthaben der Bank anvertrauen, welche wiederum Kredite vergibt. Die Differenz der Zinsen ist der Gewinn der Bank. Moderne Banken erwirtschaften im Schnitt nur noch ein Drittel ihres Umsatzes mit diesem klassischen Modell. Den Rest erwirtschaften sie durch Spekulationen, Investments und Eigenhandel. Die Substanz geht verloren; und der Überblick über die Investments und deren Nachhaltigkeit ebenso.

Nachhaltige Banken konzentrieren sich wieder verstärkt auf das klassische Bankgeschäft. Einige Bankes geht sogar noch einen Schritt weiter und veröffentlichen auf ihrer Website für die Einleger aufrufbar, welches Unternehmen Kredite erhalten hat und rechnen herunter, welche Wirkung die Einlage des Kunden auf das Unternehmen hat. Zum Beispiel: Wie viele Arbeitsplätze hat dein Sparkonto geschaffen, weil es für einen Kredit verwendet wurde?

Die Botschaft ist dabei ganz klar: GELD WIRKT! Denn das Geld, welches wir heute in Unternehmen investieren, bestimmt ganz entscheidend, welche Welt morgen von diesen Unternehmen geschaffen wird. Am Beispiel des DAX lässt sich das gut aufzeigen: Das Klimaziel der Pariser Konferenz liegt bei maximal 2°C Temperaturerhöhung bis 2050. Betrachtet man die Unternehmen, welche im DAX 30 vertreten sind und nimmt an, dass alle Unternehmen wie diese wirtschaften, handeln und arbeiten würden, so stiege die Temperatur bis 2050 um ganze 4,94°C an.

Schon die Auswirkungen von 2°C mehr sind verheerend, betrachtet man alleine die Erhöhung des Meeresspiegels. Eine Erhöhung der Temperatur um mehr als das Doppelte lässt die möglichen Auswirkungen in einem düsteren Licht erscheinen. Natürlich arbeiten nicht alle Unternehmen wie die im DAX 30 repräsentierten. Ein zweiter Blick auf die Umwelt- oder Sozialbilanz der Unternehmen, in die man investiert schadet jedoch in keinem Fall. Im DAX 30 sind durchaus Unternehmen vertreten, welche unter den kritischen 2°C in Bezug auf ihre Auswirkungen auf das Klima liegen und dennoch Rendite abwerfen.

Fazit

Nachhaltige Geldanlagen sind ein zukunftsentscheidendes Thema. Egal, ob private oder institutionelle Investoren: Wir haben es in der Hand, wo unser Geld wirkt! Jeder kann sich seine eigene Meinung zu dem Thema bilden. Selbst wenn sich eine Anlage genauso gut oder schlechter entwickeln sollte als ein nicht nachhaltiges Produkt: Die soziale Rendite und die Umweltrendite machen eine nachhaltige Geldanlage zu einem attraktiven Produkt.

Es gilt: Geld wirkt und #FORTSCHRITT auch!

Autor

Patricia Weerth

Externe Finanzexpertin für #FORTSCHRITT

Sie ist Expertin in den Geschäftsfeldern Versicherung und Finanzen. Hier hat sie sowohl ein abgeschlossenes Studium als auch einen IHK-Kaufmann vorzuweisen. Beruflich reichen ihre Positionen von der Sachbearbeiterin über selbstständige Handelsvertreterin bis hin zur Key Account Managerin.

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