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 Autor: Daniel Patrick Brugger (Partner #FORTSCHRITT)
 - 24.05.2017 -

Noch im vergangen Jahr haben sich die Taxibetriebe und ihre Verbände sowie das amerikanische Dienstleistungsunternehmen zur Vermittlung von Personenbeförderung, Uber, dem direkten Konkurrenzkampf in Deutschland hingegeben. Den Streit der reinen Angst um Kunden und Umsätze zuzuschreiben, ist jedoch zu kurz gegriffen.

Um Kunden zu kämpfen ist in erster Linie richtig. Daher ist es nachvollziehbar, dass sich Taxibetriebe und deren Verbände gegen den neuen Konkurrenten aus Amerika zur Wehr setzen. Es gibt in Deutschland über 26.000 registrierte Taxiunternehmen und ca. 250.000 Fahrerlaubnisse zur Fahrgastbeförderung, dazu werden 56.000 Fahrzeuge als Taxen eingesetzt.

Jährlich macht das derzeit ca. 400 Millionen Fahrgäste und einen Umsatz in dieser Branche von ca. 4 Milliarden Euro (Deutscher Taxi- und Mietwagenverband, 2017). Also durchaus berechtigte Gründe, sein Habitat schützen zu wollen.

Allerdings ist der Wettbewerbsdruck auf Taxibetriebe nicht erst durch die Expansion von Uber auf den europäischen und damit auch deutschen Markt entstanden. Schon seit jeher muss sich die Personenbeförderung mittels Auto und einem gestellten Fahrer den öffentlichen Verkehrsmitteln stellen. Dazu kommen CarSharing Angebote aus der Industrie. Zugegeben, alle diese Alternativen haben Vor- und Nachteile und mögen je nach Auslegung und Definition nicht als Substitute für ein Taxi gelten. Denn deren  hoher Flexibilitäts- und Individualitätsgrad wird von öffentlichen Verkehrsmitteln oder auch CarSharing Angeboten nicht in diesem Individualitätsgrad und ohne eigene Fahrertüchtigung erreicht. Diese sehr vereinfacht dargestellte Situation erklärt,, warum der Veränderungs- und Anpassungsdruck der Taxibranche durchaus gering ausgefallen ist in den vergangen Jahren, trotz sogenanntem Wettbewerb.

Nun hat ein neuer Wettbewerber 2016 einen Versuch unternommen, dem durchaus etwas alteingesessene Taxigewerbe etwas von seinem Umsatz streitig zu machen. Das amerikanische Unternehmen Uber vermittelt Personenbeförderung. Ursprüngliche Idee war es, jeden Autofahrer mehr oder weniger zu einem Taxifahrer zu machen. Jeder der fährt, kann auch jemanden mitnehmen. Diesen einfachen Grundgedanken hat Uber mit einer App, in der man sich entweder als Fahrgast oder als Uber-Partner anmelden kann, kapitalisiert. Der Fahrgast stellt die Beförderungsanfrage über die App ein, der Uber-Partner leistet diese ab. Ein System, das jeden der es will zum temporären Taxifahrer macht und so dem Unternehmen den Umsatz und dem Fahrer einen Nebenverdienst beschert.

Uber hat damit den Nerv getroffen, den die Taxiindustrie bisher für unangreifbar hielt. Die Flexibilität und Einfachheit einer Personenbeförderung von und zu individuell gewählten Punkten ohne größere eigene Aufwände.

Nun könnte man die Frage stellen, warum sich Taxifahrer nicht als Uber-Partner registrieren lassen. Berechtige Frage und sogar eine Möglichkeit, solange sie nicht das Taxi als Fahrzeug dazu nutzen und nicht im Dienst sind. Auf Grund des großen Widerstandes, speziell in Deutschland, fungiert Uber mittlerweile auch als Taxivermittler, so dass die Taxiindustrie doch noch ein Stück vom Kuchen behalten konnte. Doch ist es sicher nicht im Interesse von Uber, das dauerhaft so zu belassen. Zumal man bedenk muss, das durch die Taxilizenz ein aufwändiger Prozess durchlaufen wird, Personen befördern zu dürfen, welcher durch das Ueber-Prinzip unterlaufen wird

Dazu kommt, dass diese Situation nur eine Momentaufnahme ist. Uber ist nur ein temporärer Wettbewerber für den Personenbeförderungssektor. Was passiert er, wenn das Thema autonomes Fahren Serienreife erfährt. Wenn weitere innovative Start Ups das Potential dieses Marktes für sich entdecken?

Die entscheidende Frage am Ende des Tages ist, welcher Branche, welchem Unternehmen es am besten gelingt, das Geschäftsmodell den entsprechenden Rahmenbedingungen anzupassen – dem Taxibetrieb oder dem Start Up? Fakt ist, die Sicherung seines Geschäftsmodells und damit seiner Branche durch die Gesetzgebung zu schützen oder temporär zu retten, ist sicher keine nachhaltige und zukunftsträchtige Strategie.

Haben Sie sich schon mal gefragt was ein Taxiunternehmen macht, wenn keine Taxen mehr benötigt werden? Wenn Ihre Tätigkeit, Ihre Leistung, Ihr Job nicht mehr Bestandteil des Wirtschaftsraumes ist, in dem es sich bisher bewegt hat?

Mit dieser Frage ist der Grundstein der Geschäftsmodellanpassung gelegt. Wie wird man diesen Herausforderungen begegnen, wie wird man einen Mehrwert für den Kunden aufrechterhalten bei gleichzeitiger Ertragsgenerierung und wie muss die Architektur der Wertschöpfungskette angepasst werden um seine Daseinsberechtigung nicht zu verlieren?

Ein Trend den man nutzen könnte sind die wachsenden Lieferdienste. Möglicherweise könnten Taxen als Fahrer für Lieferdienste aushelfen? Oder Kooperationen mit Pflegedienstleistern schließen um weniger kritische Fahrten zu übernehmen. Ebenso wäre es denkbar, dass man Zuliefer- oder Shuttledienste für Hotel oder Veranstaltungsorte übernimmt, besondere Erlebnisangebote schafft, wie „Stadtführung mal anders“  oder mit Fahrschulen zu fusionieren. Welche Entwicklung auch immer sich die Taxibranche macht, sie wird gezwungen sein, neue Wege in der Ertragsgenerierung und Gestaltung der Wertschöpfungsarchitektur zu gehen um nicht von der branchenfremden Konkurrenz verdrängt zu werden.

Die Personenbeförderungsbranche wird sich unabhängig von der Software, über die man die Personallogistik bestellt, neuen Herausforderungen stellen müssen. In letzter Konsequenz wird es sich dabei um die Möglichkeit des vollautonomen Fahrens handeln. Wie man sieht, steht nicht nur der Kampf um den einzelnen Kunden, sondern auch die Art des Service-Angebots sowie dessen Leistungserbringung im Mittelpunkt einer herausfordernden Geschäftsmodellentwicklung.

 

Dies war ein Blog aus der Reihe "Digital Verstehen" - lesen Sie weitere Blogs aus dieser Reihe, wie z.B.: Erfolgsfaktor Geschäftsmodell | Fluch oder Segen?

Autor
Daniel Brugger

Co-Founder und Geschäftsführer der
Think-Tank-Beratungsgesellschaft #FORTSCHRITT

Daniel Brugger ist Co-Founder und Geschäftsführer der Think-Tank-Beratungsgesellschaft #FORTSCHRITT. Er ist Experte für Geschäftsmodelle und Unternehmensstrategien. In diesem Zusammenhang liegen seine Schwerpunkte auf der erfolgreichen Implementierung von Geschäftsmodellen und der Digitalisierung von Prozessen sowie strategischen Corporate Finance Elementen.

 

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